Projekt Flex4Energy

Energiehandel im Verteilnetz – eine Handelsplattform

Immer mehr Photovoltaik- und Windkraftanlagen werden zukünftig mit starken Schwankungen dezentral in unsere Stromnetze einspeisen. Dies wird zunehmend zu Netzengpässen und Problemen mit der Einhaltung der zulässigen Netzspannung führen.

Projektsteckbrief

Ansprechpartner:

Dr. Peter Eckerle
peter.eckerle@storegio.com
+49 621 592809-31

Zur Lösung dieses Problems werden regionale und lokale Flexibilitätsoptionen benötigt, die gezielt an kritischen Stellen zur Stabilisierung der Netze eingesetzt werden können. Die bisherigen Marktinstrumente wie die Regelenergiemärkte sind hierzu nicht geeignet, da sie die den Ort der lokalen Herausforderungen nicht berücksichtigen.

Gleichzeitig ist im Rahmen der Energiewende bei Privatpersonen aber auch Unternehmen ein deutlicher Trend zu erkennen, selbst zum Energieproduzenten zu werden und sich zumindest anteilig selbst mit Energie zu versorgen. Von der Eigenversorgung ist es nur ein kleiner Schritt zum Peer2Peer Energiehandel. Ein solcher regionaler Energiehandel könnte einen wesentlichen Beitrag zur Begrenzung des Ausbaubedarfs der Energienetze leisten, da die über weite Strecken zu übertragenden Energiemengen geringer würden. Auch hierzu fehlt es heute aber an geeigneten Marktinstrumenten.

In Flex4Energy entwickeln die Projektpartner daher einen offenen Peer2Peer-Marktplatz für regionale Flexibilitätspotenziale. Im Gegensatz zu anderen Ansätzen geht es hier also nicht um die Zusammenfassung von Flexibilitätspotentialen und deren gebündelte Vermarktung, sondern um einen neuen Markt, auf dem Anbieter und Nachfrager von Flexibilität untereinander handeln können. Regionale Flexibilitätspotenziale sind in Form z.B. von Energiespeichern, KWK-Anlagen oder steuerbaren Lasten vielfältig vorhanden, werden aber derzeit kaum genutzt, da deren kleine Potentiale in den bestehenden Märkten nicht sinnvoll angeboten werden können.

An den Flex4Energy-Marktplatz können über eine gesicherte Kommunikationsanbindung auch kleinere Flexibilitätspotentiale angebunden werden. Die lokale Verortung der Anlagen ermöglicht innovative Handelsprodukte zur Erfüllung lokaler und regionaler Aufgaben.

Die Kommunikation mit der Handelsplattform wird dabei durch ein sog. Flexibilitätsmanagementsystem (FMS) erledigt, an das die jeweiligen Flexibilitätsanlagen des Nutzers angeschlossen sind. Die FMS befinden sich in der Verantwortung der an die Plattform angeschlossenen Nutzer. Dabei kann es sich im einfachsten Fall um moderne Home-Automation Systeme handeln, um Energiemanagementsysteme von Industriestandorten oder auch um professionell betriebene virtuelle Kraftwerke. Durch das FMS werden wesentliche Vorteile erreicht.

Das FMS abstrahiert von der technischen Natur der jeweiligen Flexibilitätsanlage. Ob Batteriespeicher, Wärmepumpe oder KWK-Anlage ist für die Handelsplattform nicht relevant. Dadurch wird eine erhebliche Komplexität vermieden, die ansonsten zur Ansteuerung aller möglichen Einzelanlagen erforderlich wäre. Gleichzeitig werden unterschiedliche Lösungen von Flexibilitätsmanagementsystemen von unterschiedlichen Herstellern zugelassen.

Für den Betreiber der Flexibilitätsanlagen ergibt sich der Vorteil, dass die Nutzungsdaten seiner Anlagen verborgen bleiben und niemand von außen steuernd auf die Anlagen zugreift.
Für Flexibilitätsanbieter ergibt sich durch den neuen Marktplatz die Möglichkeit, zusätzliche Deckungsbeiträge zur Refinanzierung ihrer Anlagen zu erwirtschaften. Flexibilitätsnachfrager können lokale Herausforderungen gezielt angehen und müssen dazu keine eigenen Investitionen tätigen, die ggf. nicht ausreichend ausgelastet werden können.

Die Nutzung des Flex4Energy-Marktplatzes soll unkompliziert, ohne Grundgebühr und ohne langfristige vertragliche Bindungen möglich sein. Der Marktplatz beschränkt sich darauf, die Flexibilitätsangebote und -nachfragen der angeschlossenen Nutzer zu verbinden und diese darüber zu informieren. Die Steuerung der Flexibilitätsanlagen verbleibt zu jedem Zeitpunkt in der Verantwortung des jeweiligen Betreibers.

Nähere Informationen zum Projekt sind auf der Projekthomepage unter www.flex4energy.de erhältlich.

An dem Projekt beteiligen sich neben StoREgio als Konsortialführer der Energieversorger ENTEGA, das Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering IESE, das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE, die Hochschule Darmstadt sowie der Speichersystem-Hersteller ads-tec. Das BMWi fördert Flex4Energy mit rund 2,8 Millionen Euro.