Urkunden, Ländereien und Koordinaten

Der Lorscher Codex interaktiv

Der Codex, auch Codex Laureshamensis genannt, ist eine wahre Fundgrube für Historiker und Laien: Geschrieben auf Pergament im letzten Viertel des 12. Jahrhunderts im Skriptorium des Klosters Lorsch, werden in den über 3.800 Urkundenabschriften mehr als 1.000 Ortschaften erstmals erwähnt. Die Originalurkunden, die zumeist anlässlich einer Schenkung an oder eines Kaufs durch das Kloster erstellt wurden, haben sich in keinem einzigen Fall erhalten.

Projektsteckbrief

Ansprechpartner:

Dr. Maria Effinger
Universitätsbibliothek Heidelberg
Plöck 107-109, 69117 Heidelberg
Tel.: +49 (0)6221-543561
effinger@ub.uni-heidelberg.de

Für die historische Topographie sowie die Orts- und Heimatgeschichte ist der Codex somit ein einzigartiges Zeugnis mit kaum zu überschätzendem Quellenwert. Da die urkundlichen Erwähnungen datiert sind, können diese Daten häufig zur Festlegung der jeweiligen Orts- oder Dorfjubiläen herangezogen werden.

2015 wurde in der Universitätsbibliothek Heidelberg der Lorscher Codex, der heute im Staatsarchiv Würzburg aufbewahrt wird, erstmals komplett online gestellt und eine komfortable Onlinepräsentation des Lorscher Codex erarbeitet. Sie bietet neben dem Zugriff auf das digitale Faksimile der Handschrift auch eine Vernetzung mit der lateinischen Edition sowie der deutschen Übersetzung der Urkundenregesten. Über eine umfangreiche Ortsliste können bequem alle Urkunden gefunden werden, die sich mit einem Ort beschäftigen.

Darüber hinaus wurden – in Kooperation mit dem Interdisziplinären Arbeitskreis Historical GIS („HGIS-Club“) der Heidelberger Universität –  die Lorscher Besitzungen durch die Visualisierung der im “Lorscher Codex” genannten Orte auf interaktiven Karten in Raum und Zeit sichtbar gemacht.

Als weitere Features können, hat man Google Earth installiert, über einen Zeitschiebregler die Orte in chronologischer Abfolge angezeigt werden, durch eine Verstärkung der Höhenunterschiede kann ein Eindruck vom Gelände gewonnen werden, oder durch die Einblendung historischer Karten kann die Orientierung in der vorindustriellen Landschaft erleichtert werden. Oder man fliegt mit einem Flugsimulator in einer alten Propellermaschine oder einem modernen Düsenjet über die mittelalterlichen Ländereien des Loscher Klosters.

Ein Beispiel: Am 13. November 2015 feierte der Heidelberger Stadtteil Neuenheim seinen 1250. Geburtstag! Wie kamen die Historiker auf dieses Datum?
Die erste urkundliche Erwähnung Neuenheims findet sich 765 im Lorscher Codex in Zusammenhang einer Weinbergschenkung. In der deutschen Übersetzung heißt es “Also mache ich, Gumpert, im Namen unseres Herrn Jesu Christi zu meinem Seelenheil eine Vergabung. Es ist mein Wunsch, daß meine Schenkung ewigen Bestand habe. Ich schenke der Basilika des Hl. Nazarius, welche am Flusse Wisscoz [Weschnitz] errichtet ist, meinen Weinberg in pago lobdunensi [im Ladengau], und zwar im Dorfe.” Weiter heißt es “Niwenheim [Heidelberg-Neuenheim]. Er grenzt auf der einen Seite an den Weinberg der Frideburg, auf der anderen an die Landstraße, auf der dritten fließt unten der Nekkarfluß vorbei.“und “Geschehen in lobdenensi civitate publica [in der Landesstadt Ladenburg] am 13. November [765].” Das Jahr 765 erschließt sich aus der Datierung der Urkunde in das “14. Regierungsjahr unseres Herrn, des Königs Pippin“.

Im Anschluss an das internationale Digitalisierungsprojekt »Bibliotheca Laureshamensis – digital. Virtuelle Klosterbibliothek Lorsch«, das als Kooperation zwischen der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen / UNESCO-Weltkulturerbestätte Kloster Lorsch und der Universitätsbibliothek Heidelberg in den Jahren 2010-2014 durchgeführt wurde, kann nun, mit dem Online-Gang  des “Lorscher Codex“ ein weiterer wichtiger Baustein zur Sichtbarmachung des Lorscher Kulturerbes hinzugefügt werden.

Links
http://archivum-laureshamense-digital.de/
http://archivum-laureshamense-digital.de/de/codex_laureshamensis/interaktive_karten.html